Werke -

Talking Monkey

Sprechende Affen

Als seien ihre Mimik und die in extremer Nahsicht gezeigten Gesichter nicht schon ausdrucksvoll genug, haben sich die Affen in Eva Bur am Ordes Bildwelt unversehens auch die menschliche Sprache angeeignet. Das überlebensgroße Format der Malereien zwingt den Betrachter dabei in eine unentrinnbare Konfrontation mit dem Gesehenen und Gesagten. Über Epochen und Kulturen hinweg erscheint hier die Charakteristik leicht eingängiger Darstellungen mittelalterlicher Wandmalereien und neuzeitlicher Comic-Strips vereint. Ohne umständliche Umwege, die nur von sattsam belesenen Exegeten hinlänglich ausgedeutet werden könnten, spricht das Bild selbst und unmittelbar. Brachten die ikonografisch tradierten Handlungsfolgen eines allover freskierten Kirchenraumes den vermeintlich Ungebildeten die Heldentaten biblischer Märtyrer näher, ergötzen wir uns bis heute an modernen Mythen zwischen Mickey Mouse und Manga, in denen gezeichnete Wesen mit übermenschlichen Kräften gesegnet sind. Ob aber in Stein eingeritzte Höhlenzeichnungen, ägyptische Papyri, sakrale Monumentalmalereien, weltliche Schlachten - wie auf dem textilen Teppich von Bayeux - oder doch eher die trashig rasanten Bildgeschichten der Gegenwart, stets kamen dieselben ohne oder doch nur mit einem geringen Textanteil versehen aus und wussten zugleich dennoch zu überzeugen. Schriftbänder und andere Textpanels finden ihre Fortsetzung nun in inhaltlich verkürzenden Sprech- und Denkblasen, wie sie Eva Bur am Orde bei I Love You ... und Hello ... in bewusster Anlehnung an die Trivialkultur einsetzt. Frohe Botschaften, einfache Wahrheiten oder direkte Anreden dieser Art - zumal durch Auslassungszeichen ergänzt und damit deren Fortsetzung offen gelassen - müssen in jener Ambivalenz bleiben, ob sie menschlich ernst gemeint oder doch nur beliebig austauschbar nachgeäfft sind, da Sprechblasen denkbar schnell bekanntlich zu platzen drohen.
Text: Clemens Ottnad

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